Gedanken von Johann Aubart, Präsident der DJG-Trier

Japan das Land, das ich über alles liebe, seine Kultur, seine Menschen, die Tempel, die Burgen, die heißen Quellen, die Kirschblüte, die Laubfärbung, die Bahn mit allen ihren Vor-(Zügen) und vor allem meine Freunde, die mich immer wieder begeistern. Aber leider ist es derzeit nicht möglich, dieses schöne Land und seine Bewohner zu besuchen. Trotzdem geht das Leben weiter und auch Olympia findet statt, wenn auch mit einem Jahr Verspätung.

Wie sieht es in Tokio aus? Die Bevölkerung hatte sich 2020 auf die Spiele eingestellt und darauf gefreut. Natürlich gibt es bei solch einem Ereignis immer auch Gegenstimmen. Die Spiele mussten, Corona-bedingt, abgesagt und auf 2021 verschoben werden. Die Corona-Situation hat sich nicht wesentlich verändert, sondern ist, im Gegenteil, sogar schlechter geworden. Trotzdem wäre eine erneute Absage der Spiele kaum zu verantworten gewesen. Olympische Sommerspiele in der heutigen Zeit sind ein riesiger Kostenfaktor und ein immenses Geschäft. Das ist zwar nicht im Sinne der olympischen Idee, aber auch kaum mehr zu ändern. Die Sportstätten müssen teils neu gebaut bzw. hergerichtet werden und sollen im Regelfall für die weitere Nutzung nach den Spielen zur Verfügung stehen. Das olympische Dorf wurde in der Bucht von Tokio gebaut und die Wohnungen sollen im Anschluss an die Spiele verkauft oder vermietet werden. Die Käufer und Mieter warten nun schon seit einem Jahr auf den Einzug und gehören damit nicht unbedingt zu den Befürwortern der Spiele. Dazu hatte man sich auf Besucher und Touristen eingerichtet und entsprechende Planungen und Schritte unternommen, die nun nicht zum Tragen kommen. Hotels bleiben unbelegt, Souvenirs und Andenken liegen in den Läden und werden nicht verkauft. Die Sportler dürfen sich nur im Olympischen Dorf und an ihrem Wettkampfort bewegen und haben somit kaum etwas von diesem Land und seiner Bevölkerung kennengelernt. Die Journalisten, die im Vorfeld, während und nach den Spielen über das Land und seine Kultur berichten, sind ebenfalls sehr eingeschränkt. Somit beschränkt sich die Berichterstattung überwiegend auf den Ablauf der einzelnen Wettbewerbe. Diesen Punkt lösen sie allerdings hervorragend, trotz eines Zeitunterschiedes von 8 Stunden.

Wenden wir uns den Spielen, den Sportlern, den Funktionären, Trainern, Begleitern, Kampfrichtern und Helfern zu, so ist festzustellen, dass sie sich auf diese Spiele vorbereitet, hart trainiert, qualifiziert und persönlich eingestellt haben. Nun treffen sie in Japan auf einen warmen Sommer mit einer ungewohnt hohen Luftfeuchtigkeit, die dem einen oder anderen sehr schwer zu schaffen macht. Wer Japan kennt, der weiß den Frühling mit der Kirschblüte oder den Herbst mit der Laubfärbung zu schätzen. Aber heute, in einer Zeit, wo Corona den Ablauf bestimmt? Die Bevölkerung wird angehalten, die vorbeugenden Maßnahmen zu beachten, um sich und andere zu schützen. Die Teilnehmer an den Spielen sollen möglichst geimpft sein, die Erkrankung hinter sich haben oder negativ getestet sein. Sie werden völlig separiert zu den Wettkampforten gebracht, um dort dann ihren Sport in gewohnter Weise zu absolvieren.

Obwohl ich vom Sport herkomme und selbst mein Leben lang Sport betrieben habe, bin ich heute nicht mehr so begeistert, um mir alle Übertragungen anzusehen. Aber eines kann ich mit Sicherheit feststellen: es wird großartiger Sport geboten, es werden ganz hervorragende Leistungen erzielt und das bei den ungewohnten klimatischen Bedingungen. Ich werde hier nicht auf einzelne Sportarten oder Athleten oder Mannschaften eingehen. Aber nach meiner Ansicht wird das „Nationale“ zu stark in den Vordergrund gestellt, der Medaillenspiegel ähnelt einer Nationenwertung und das Menschliche gerät in den Hintergrund. Es fehlen die Begegnungen mit der Bevölkerung und das Kennenlernen des Landes und seiner Sitten. So erinnere ich mich gerne an die Olympischen Winterspiele 1998 in Nagano, wo man den Präsidenten des IOC, Herrn Thomas Bach noch auf dem Weg zum Zenko-ji Tempel oder im Thüringer Zelt einfach ansprechen und mit ihm Erinnerungspins austauschen konnte. Der obligatorische Jugendaustausch in einem Olympia-Lager findet zu meinem Bedauern ebenfalls nicht statt. Dabei soll gerade die Jugend hier ihre Erfahrungen im Austausch und der Völkerverständigung suchen und finden.

Mein Fazit: die Olympischen Spiele 2020/2021 in Japan werden auf jeden Fall in die Geschichte eingehen. Die teilweise Ablehnung in der Bevölkerung ist der Begeisterung über die von japanischen Sportlern gewonnenen Medaillen gewichen, wobei die Jüngsten besonders viel Freude hervorrufen. Das Deutsche Team hat und wird sich gut behaupten, wobei, wie immer, Freude und Enttäuschung nahe beieinanderliegen. Den nachfolgenden paralympischen Spielen und Sportlern wünsche ich die gleiche Beachtung und Würdigung, hoffentlich ohne zusätzliche, Corona-bedingten Beschränkungen.

Mein Wunsch: Die Spiele sollen ihren sportlichen Charakter behalten und nicht so stark kommerzialisiert werden!





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