Das auf der Halbinsel Kii (Honshu) gelegene Koyasan (高野山) in Japan ist einer der heiligsten Orte Japans. Die Bezeichnung wird dabei für den Berg Koya sowie die von diesem und einigen anderen Bergen eingeschlossene Hochebene benutzt. Vor allem aber bezeichnet Koyasan den dort liegenden buddhistische Kongōbu-Tempel (Kongōbu-ji, 金剛峯寺) und dessen 117 untergeordneten Nebentempel.

Der Kongōbu-Tempel in Koyasan wurde im 9. Jahrhundert von dem japanischen Mönch Kobo Daishi gegründet, der den Shingon-Buddhismus nach Japan brachte und gilt als einer der ersten in Japan errichteten buddhistischen Tempel. Zusammen mit anderen religiösen Stätten und Pilgerwegen auf der Halbinsel Kii ist der Koyasan seit 2004 Teil des UNESCO-Weltkulturerbe.

Wo liegt Koyasan in Japan?

Koyasan liegt in der Präfektur Wakayama auf der Halbinsel Kii südlich von Osaka. Die Halbinsel Kii ist eine der von der Fläche her größten Halbinseln Honshus und umfasst neben der Präfektur Wakayama auch Teile der Präfekturen Nara und Mie sowie den südlichen Teil der Präfektur Osaka.

Im Westen der Halbinsel liegt die Bucht von Osaka, im Nordosten die Bucht von Ise. Im Süden schließt sich der Pazifik an.

Wie hoch ist der Koyasan Berg?

Die Hochebene von Koyasan und die Tempelstadt liegen auf einer Höhe von 800 Metern über NN. Die umliegenden Berge, die die Hochebene einschließen, sind Teil des Kii-Gebirges und selbstverständlich noch einmal um einiges höher.

Die Hochebene ist zwar eine wichtige Station auf den Pilgerwegen durch die Kii-Berge. Sie ist aber zu Fuß nur sehr schwer zu erreichen, weshalb viele Pilger ab bestimmten Stationen auf dem Pilgerweg meist mit dem Bus weiterreisen. Natürlich kann man auch direkt mit dem Bus nach Koyasan fahren, ohne den Pilgerweg zu gehen.

koyasan Tempelstadt Japan
Mystische Atmosphäre in der Tempelstadt Koyasan.  Foto © yamabon auf Pixabay

Die Geschichte von Koyasan: Der Mönch Kobo Daishi und Shingon Buddhismus

Das Gebiet von Koyasan wurde im Jahr 816 durch den Mönch Kobo Daishi, den Gründer des japanischen Shingon-Buddhismus, erschlossen und der Kongōbu-Tempel errichtet. Zuvor hatte sich der auch als Kūkai (空海; dt. etwa „Meer der Leere“) bezeichnete Kobo Daishi die Unterstützung des zu dieser Zeit regierenden Tennō Saga gesichert.

Kobo Daishi fand in Koyasan auch seine letzte Ruhestätte, nachdem er im Jahr 835 verstarb. Der Koyasan entwickelte sich neben dem Osttempel (Tō-ji) in Kyoto im Folgenden zur Hauptstätte des Shingon-Buddhismus und erlebte eine rege Bautätigkeit. Der Koyasan wirkte dabei auch immer wieder als Rückzugsort für berühmte Samurai und mit dem zugehörigen Okunoin Friedhof. Hier ist auch Kobo Daishi begraben.

Der Friedhof gilt mit geschätzt 500.000 Begräbnisstätten als größter Friedhof Japans. Insbesondere ab dem 16. Jahrhundert wurde Koyasan zu einer sehr bedeutenden Pilgerstätte, zu der sich sogar der erste Shogun Tokugawa Ieyasu aufmachte. Aufgrund ihrer Bedeutung stellten lokale Adlige entlang den Pilgerwegen kleine Steinpagoden auf.

In der Meiji-Zeit wurde nicht nur das Verhältnis von Glauben zu Staat neu geordnet, auch der Koyasan unterlief große Veränderungen. So verlor Koyasan die ihm über die Jahrhunderte geschenkten Ländereien, so dass die wirtschaftliche Grundlage für den Betrieb der Tempelstadt wegfiel. Daraufhin wurde die Tempelstadt zu den heute existierenden Tempeln zusammengelegt. Vorher sollen einmal über 2000 gewesen sein.

Durch Spenden konnte 1921 das Reiōkan (Haus der spirituellen Schätze) genannte Museum mit einem Fundus von rund 50.000 Objekten errichtet werden. 1926 wurde zudem die „Universität für religiöse Studien“ gegründet.

Heute leben in etwa 600 Mönche in Koyasan, dessen Tempel administrativ Teil des nahe gelegenen kleinen Städtchens Kōya sind. Dieses entstand, nachdem Frauen ab 1872 wieder der Zutritt nach Koyasan erlaubt wurde.

Kulturstätten, Spiritualität und Religion in Koyasan

Auch wenn Koyasan heute touristisch erschlossen ist und sich hauptsächlich durch Touristikeinnahmen sowie Pilger und Spenden finanziert, bleibt es ein heiliger, mystischer Ort.

Das machen schon der Haupttempel Kongōbu-ji und seine vielen Nebentempel wie der Frauentempel Nyonindo an der Straße zur Seilbahnstation klar. Der war bis 1873 der letzte Ort, den Frauen betreten durften, um dort zu beten, während ihnen der Eintritt in den Hauptbereich des Berges Koyasan verboten war.

Religion und Spiritualität sind in Koyasan allgegenwärtig und werden aktiv gelebt. Der Shingon-Buddhismus (真言宗) zählt dabei zu der Obergruppe des Vajrayana und basiert seine Lehren insbesondere auf vier frühe buddhistische Tantras:

  • Mahāvairocana Sūtra (大日経, Dainichi-kyō)
  • Vajraśekhara Sūtra (金剛頂経, Kongōchō-kyō)
  • Prajñāpāramitā Naya Sūtra (般若理趣経, Hannya Rishu-kyō)
  • Susiddhikara Sūtra (蘇悉地経, Soshitsuji-kyō)

Dabei steht die Meditation und das Erlangen von Erleuchtung im Mittelpunkt des Glaubens. Erleuchtung kann im Shingon, anders als in anderen buddhistischen Schulen, von jedem Einzelnen je nach seinen Anlagen erlangt werden kann.

Für den Shingon-Buddhismus legte dessen Gründer Kukai zehn bhūmis oder Stufen der spirituellen Verwirklichung fest.

Die besten Sehenswürdigkeiten & Aktivitäten auf Koyasan

1. Der Haupttempel Kongōbu-ji

Als Haupttempel des Shingon-Buddhismus und Koyasans ist der Kongōbu-ji nicht nur eine der zentralen Sehenswürdigkeiten, sondern auch Ziel vieler frommer Pilger. Der Tempel besticht durch seine elegant bemalten Schiebetüren und den zugehörigen, größten japanischen Steingarten Banryutei.

2. Der Tempelkomplex Danjo Garan

Der Tempelkomplex Danjo Garan bildet das Zentrum von Koyasan und wird bis heute als heilig angesehen. Der Ort diente ursprünglich allein zur asketischen Ausbildung in der Abgeschiedenheit des abgelegenen Hochtals. Dominiert wird der Tempelkomplex von dem zinnoberroten, fast 50 Meter hohem Konpon Daito oder „großem Turm“.

3. Das Mausoleum der Tokugawa Familie

Die Familie der Tokugawa (徳川氏) vereinte Japan unter der Führung Tokugawa Ieyasus, der 1603 zum ersten Shogun der Edo Zeit (1603-1868) wurde und eine lang währende Zeit von Unruhen und inneren Konflikten beendete und ihren Hauptsitz in das damalige Edo (Tokio) verlegte. Historisch betrachtet waren die Tokugawas eine der einflussreichsten Familien Japans.

4. Der Friedhof Okunion

Neben dem Mausoleum der Tokugawas ist auch der Okunion, der als größter Friedhof Japans und durch die dort gelegene Ruhestätte Kobo Daishis als heilig gilt, unbedingt sehenswert. Ein etwa 2 km langer von Zedern überschatteter Weg führt entlang von 200.000 Begräbnisstätten (insgesamt sollen es rund 500.000 sein) bis zum Mausoleum Kobio Daishis. Dabei trifft man auf Begräbnisstätten von Shogunen, Dichtern, Schauspielern und wichtigen Unternehmerdynastien – ein bisschen das who is who der japanischen Gesellschaft und Geschichte.

koyasan Japan Friedhof
Der weltberühmte Friedhof von Koyasan ist schon fast eine eigene Stadt.  Foto © jacqueline macou auf Pixabay

6. Das Museum Koyasan Reihohan

Das 1921 gegründete Museum beherbergt bedeutende Kulturgüter und religiöse Kunstwerke. Der Fundus umfasst insgesamt 50.000 Objekte, darunter 21 als „Nationalschätze“ und 142 als „Wichtige Kulturgüter“ eingeschätzte Kulturgüter. Ein Besuch des Museums bietet einen tieferen Einblick in die Geschichte Koyasans und die Ästhetik des Shingon-Buddhismus.

7. Pilgerwege

Natürlich sind auch die Pilgerwege nach Koyasan ein Erlebnis. Die Strecke kann dabei nicht ganz zu Fuß zurück gelegt werden, der letzte Teil des Weges nach Koyasan wird aufgrund des schwierigen Geländes heute von Bussen überwunden. Trotzdem ist das teilweise beschreiten der Pilgerwege eine gute Vorbereitung, um sich auf den Besuch an diesem für Shingon-Buddhisten heiligen Ort vorzubereiten.

Shukubo – Tempel Übernachtungen in Koyasan

Insgesamt 52 Tempel auf dem Koyasan bieten Gästen die Möglichkeit in einem Shukubo (宿坊), einer Schlafstelle in einem Tempel, zu übernachten. Neben der Übernachtung kann man hier auch die kulinarischen Genüsse der buddhistisch-japanischen Shojin-ryori Küche (vegetarisch) entdecken und in das klösterliche Leben einzutauchen

Die Besucher haben hier die Möglichkeit, an verschiedenen Aktivitäten wie Meditationen (ajikan), Sutralesungen oder dem kalligraphischen kopieren von Sutratexten teilzunehmen.

Shukubo können Online oder vor Ort in Japan reserviert werden. Allerdings sollte man beachten, dass die meisten Tempel in Koyasan keine Kartenzahlung akzeptieren.

Koyasan Japan Tempel-Übernachten
Eine Übernachtung in einem Shinto Tempel ist ein unvergessliches Erlebnis.   Foto © yamabon auf Pixabay

Wie ist das Klima und Wetter in Koyasan und der Kii-Halbinsel?

Durch seine Höhenlage in etwa auf 800 Metern ist die Hochebene von Koyasan  außerhalb der Sommermonate eher kühl und man sollte geeignete Kleidung mitbringen.

Die beliebteste Reisezeit für Koyasan und die Pilgerwege sind Frühling und Herbst. Besonders im Herbst ist das Farbenspiel der Wälder ein besonderer Hingucker – ähnlich wie beim Indian Summer in den USA.

Das Klima auf der Kii-Halbinsel ist ansonsten feucht-subtropisch mit hohen Temperaturen im Sommer und milden Wintern.

(c) Japanwelt.de, mit freundlicher Genehmigung





2 Comments

  1. Hilfreich

    Antworten

    Kleiner Tipp: Ich würde mal die Rechtschreibung und (teils) inhaltliche Richtigkeit genauer Prüfen…
    Z.B. “Okunio”, “kann im Shingon … erlangt werden kann”, “Übernachtung im ‘Shinto Tempel'” usw.

  2. Hilfreich

    Antworten

    Kleiner Tipp: Ich würde die Rechtschreibung und (teils) inhaltliche Richtigkeit nochmals genauer Prüfen (lassen)…
    Z.B. “Okunio”, “kann im Shingon … erlangt werden kann”, “Übernachtung im ‘Shinto Tempel'” usw.

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