Erstmals erfolgte eine gemeinsame Reise eines Leipziger Orchesters mit Mitgliedern der Deutsch-Japanischen Gesellschaft Leipzig nach Japan.

Auch ist die angebahnte und nun schon gelebte Kooperation mit der Musikschule Impulsgeber für die ehrgeizigen weiteren Projektziele der DJG Leipzig (Schüleraustausch, Schulpartnerschaft, Städtepartnerschaft).

Förderung durch die VDJG-Stiftung: 9.000 Euro

Projektbericht

Die Reise

Das Jugendsinfonieorchester der Musikschule Leipzig „Johann Sebastian Bach“ brach am 8. Juli 2019 unter der Leitung von Ron-Dirk Entleutner zu einer 12-tägigen Gastspiel- und Begegnungsreise nach Japan auf. Im Mittelpunkt der Reise standen das persönliche Kennenlernen und der musikalische Austausch des 73 Schülerinnen und Schüler umfassenden Ensembles mit mehreren japanischen Schul- und Nachwuchsorchestern aus Tokio, Kanuma und Kyoto. Gemeinsame Workshops und Proben mündeten in vier öffentliche Konzertauftritte vor großem Publikum.

Das Leipziger Repertoire umfasste unter anderem Werke von Ludwig van Beethoven, Johannes Brahms und Anton Bruckner sowie Filmmusiken. Schirmherr der Gastspielreise war der Dirigent Herbert Blomstedt, der von 1998 bis 2005 Gewandhauskapellmeister war und seitdem Ehrendirigent des Gewandhausorchesters ist.

Alle vier Austauschkonzerte dauerten jeweils ca. 120 Minuten. Die Konzerte waren so konzipiert, dass es neben einem kleinen gemeinsamen Auftritt stets einen individuellen Programmteil gab, bei dem das jeweilige Ensemble sein eigenes Repertoire vorstellen konnte. Zum Reisegepäck des JSO zählte die 1. Sinfonie von Johannes Brahms. Sie verkörpert sehr deutlich den „deutschen Streicherklang“ und ist damit der beste Repräsentant der deutschen Romantik. Darüber hinaus aufgeführt wurden das „Symphonische Praeludium“ von Anton Bruckner, Modest Mussorgskijs „Bilder einer Ausstellung“ sowie verschiedene Filmmusiken.

Das Werk für den gemeinsamen Programmteil der Konzerte war der 4. Satz aus Ludwig van Beethovens „Ode an die Freude“. Die Sinfonie wird traditionell zum Jahresende von Orchestern in ganz Japan aufgeführt und taucht meist dann auf, so ein Zitat, „wenn etwas Erhabenes gespürt werden soll.“

An der Gastspielreise nahmen 81 Personen teil. Es handelte sich dabei um 73 aktive Musikerinnen und Musiker, vier Jugendbetreuer, eine japanische Muttersprachlerin und drei Mitglieder der Deutsch-Japanischen Gesellschaft Leipzig in Sachsen e.V. Ein weiteres Mitglied der DJG war zugleich Orchestermitglied.

Die vier Konzerte in Tokyo, Kanuma und Kyoto werden wohl unvergesslich bleiben ebenso wie die vielen herzlichen Begegnungen mit den japanischen Orchestermitgliedern. In Tokyo blieb genug Zeit, um an den ersten beiden Tagen in Japan einzutauchen und die pulsierende Metropole mit der U-Bahn und zu Fuß zu erkunden. Ginza, Kaiserpalast, Meiji-Schrein, der Sky Tree, waren nur einige der vielen Sehenswürdigkeiten. Asakusa, Shinjuku und Akihabara durften nicht fehlen.

Einen besonderen Höhepunkt bildete das Gion-Fest in Kyoto. Bereits am Vorabend konnten in den Seitenstraßen die vielen wunderbar illuminierten Festwagen bestaunt werden. Am Tag darauf konnten die DJG-Mitglieder den Umzug der prachtvollen Festwagen begleiten. In Kyoto blieb auch noch Zeit für den Besuch des berühmten Schreins Fushimi Inari-Taiko mit seinen Tausenden von scharlachroten Torii und von drei weiteren zum Weltkulturerbe gehörenden Tempeln. Tags zuvor hatten alle Reiseteilnehmer bereits das beeindruckende Nijo Castle besichtigen können. Ein Abstecher zum gigantischen Bahnhof von Kyoto und ein Skywalk dort in luftiger Höhe durfte für die DJG-Mitglieder nicht fehlen.

Einen letzten großen und wohl einmaligen Höhepunkt hielt der Rückflug bereit: Ein spontanes Konzert von acht Bläsern hoch über den Wolken! Die überwiegend aus Japan und Deutschland kommenden Fluggäste und die Crew waren hellauf begeistert und auch der Pilot ließ es sich nicht nehmen, den Konzertklängen zu lauschen.

Unter https://www.musikschule-leipzig.de/aktuelles-a-5204.html kann man die täglichen Reiseeindrücke der Orchestermitglieder nachlesen.

Das Orchester:

Als Auswahlensemble einer der größten öffentlichen Musikschulen Deutschlands blickt das Jugendsinfonieorchester (JSO) auf eine fast 35-jährige Geschichte zurück. 1985 gegründet wuchs das Ensemble schnell zu einem hervorragenden Klangkörper heran. Durch die rege Konzerttätigkeit eroberte das Jugendsinfonieorchester die großen Konzerthäuser Leipzigs – angefangen vom Festsaal des Alten Rathauses über Kongresshalle und Thomaskirche bis hin zum großen Saal des Gewandhauses, wo regelmäßig die erarbeiteten Programme aufgeführt werden. Vielfach preisgekrönt zählt es zu den besten deutschen Jugendorchestern und reist als Botschafter der Musikstadt Leipzig durch die ganze Welt unter dem Motto: In Leipzig verwurzelt, in der Welt zuhause

Das Jugendsinfonieorchester wurde mehrfach als Bundespreisträger beim Bundesorchesterwettbewerb ausgezeichnet.

Vor der Reise:

Die DJG unterstützte die Reisevorbereitungen des Jugendsinfonieorchesters sorgfältig, ideenreich und zeitintensiv wie folgt:

  • Kurzfristige Übersetzung der Vita des Leiters des JSO und des Porträts des JSO für die Programmgestaltung und die Veranstaltungswerbung in Japan durch zwei Mitglieder der DJG ins Japanische.
  • Beratung bei der Erstellung der Konzertplakate und Programmhefte in Japanisch. Dabei wurde darauf geachtet, dass auf allen Plakaten und Flyern das –lesbare!- Logo des VDJG und der DJG Leipzig erschien.
  • Beschaffung von Image-Broschüren der Stadt Leipzig und Transport nach Japan
  • Beschaffung von Werbeflyern Stadt Leipzig in Japanisch bei der Leipzig Tourismus GmbH und Übergabe an das Jugendsinfonieorchester
  • Beschaffung von repräsentativen Leipzig-Fotos bei der Leipzig Tourismus und Marketing GmbH für die Ausstellung der Stadt Kaiserslautern vom 11. bis 14. Juli in Tokyo, Bunkyo Civic Center
  • Erstellung eines Ratgebers „Japanreise“ für die Reisevorbereitung der Musikschule
  • Zwei Vorträge mit Reisetipps unter dem Titel „Gebrauchsanweisung für Japan“ in Vorbereitung der Reise, gehalten zum Elternabend der Musikschule am 14.4. vor Eltern und teilnehmenden Schülern sowie Lehrkräften.
  • Bereits im Jahre 2017 unterstützte die DJG Leipzig das namhafte Leipziger Ensemble „amici musicae“, dessen Gründer und künstlerischer Leiter ebenfalls Ron-Dirk Entleutner ist, vor seiner Japan-Tournee durch einen Vortrag mit Tipps zur Reisevorbereitung. Chor & Orchester „amici musicae“ gastierten vom 2. bis 14. Oktober 2017 in Osaka, Kyoto, Tokyo und Yokohama.

Synergieeffekte während der Reise:

In den vier Konzerthallen in Tokyo, Kyoto und Kanuma wurde durch das Jugendsinfonieorchester und durch die mitreisenden DJG-Mitglieder Informationsmaterial über die DJG (zweisprachig, Deutsch und Japanisch) und der aktuelle Flyer der Leipzig Tourismus und Marketing GmbH über Leipzig in Japanisch verteilt. Zudem wurden Printexemplare der Imagebroschüre des Amts für Wirtschaftsförderung der Stadt Leipzig in Japanisch verteilt.

Gespräche am Rande der Ausstellung im Bunkyo Civic Center Tokyo ergaben im Hinblick auf die durch die DJG Leipzig angestrebte Städtepartnerschaft Leipzigs mit einer japanischen Stadt, dass durchaus auch eine Partnerschaft zwischen einer deutschen Großstadt und einem ähnlich großen Stadtbezirk Tokyos erwogen werden kann und sollte, da auch hier als attraktive und leistungsstarke Partner Universitäten, Firmen, Kulturinstitute, Schulen, Sportvereine etc mit u.a. Sportstätten, Konzerthallen und sehr guten infrastrukturellen Anbindungen als Basis für einen regen Austausch dienen können.

Nach der Reise/ Ausblick auf 2020:

Eine sehr schöne erste Fortführung der Japanreise bildete die musikalische Umrahmung des Japantages 2019 durch ein Bläserquintett des JSO (bestehend aus vier Reiseteilnehmern) und die regen Gespräche mit japanischen und deutschen Gästen beim anschließenden Empfang.

Hierzu durften die DJG auch den Leiter des Jugendsinfonieorchesters herzlich begrüßen.

Die Rückseite der gedruckten Einladung zierten im Juli in Japan entstandene Fotos des Jugendsinfonieorchesters. Der Japantag wurde nun schon zum fünften Mal in Folge in enger Zusammenarbeit zwischen dem Amt für Wirtschaftsförderung der Stadt Leipzig und der DJG Leipzig mit ca. 100 Gästen ausgerichtet.

Am darauffolgenden Tag (21. September 2019) fand im Museum für Völkerkunde zu Leipzig der mit 410 Besuchern sehr gut besuchte Japan Pop-Up-Market, organisiert und gestaltet durch die DJG Leipzig, den Verein „Das Japanische Haus“ und das Völkerkundemuseum, statt.

Auch hier konnten die mitreisenden DJG-Mitglieder u.a. von ihren unvergesslichen Erinnerungen an die JSO-Gastspielreise berichten. Mit einer Karate-Show, Origami und Ikebana, Manga & Cosplay, einer selbstgebauten Taiko-Trommel der DJG Leipzig, japanischem Erzähltheater Kamishibai, einer Samurai-Rüstung der DJG Leipzig, Namenschreiben in Japanisch, Japan-Quiz, Snacks vom Japanischen Haus und Kurzführungen konnten an diesem Tag im Museum sehr viele Japaninteressierte erreicht werden.

Sowohl der Japantag als auch die Zusammenarbeit mit dem Museum für Völkerkunde werden 2020 ihre Fortführung erfahren.

Wirkung auf weitere Projekte der DJG, Vernetzung in Leipzig:

Eine Reiseteilnehmerin ist gleichzeitig Schülerin des Werner- Heisenberg-Gymnasiums Leipzig. An diesem Gymnasium wird am 1.11.2019 der von der DJG Leipzig initiierte und organisierte Japanisch-Unterricht im Rahmen des GTA (Ganztagsangebot) als Japanisch-AG beginnen.

Im Vorfeld hatte die DJG bereits zwei Informationsveranstaltungen und einen Origami-Workshop am Gymnasium bestritten, um das Interesse an Japan zu wecken und damit die Basis für einen Schüleraustausch und eine Schulpartnerschaft mit Japan zu schaffen. Auch ist die geplante Gründung einer Taiko-Trommelgruppe der DJG mit den beiden starken Partnern Werner-Heisenberg-Gymnasium (hier besteht bereits seit 2012 eine Trommel- und Percussion-AG) und der Musikschule angedacht und rückt somit in greifbare Nähe. Zudem wird die DJG der Schulbibliothek des Gymnasiums kontinuierlich Japanliteratur zur Verfügung stellen.

Reiseeindrücke der DJG-Mitglieder:

Reiseeindrücke von Christopher Schramm, Mitglied der DJG Leipzig, Organisator und Leiter der regelmäßigen Anime- und Manga- Stammtische der DJG

Die Gastspielreise der Musikschule „Johann Sebastian Bach“ Leipzig vom 08. bis 19. August 2019 konnte ich als Mitglied der Deutsch-Japanischen Gesellschaft Leipzig begleiten. Es handelte sich dabei um meinen ersten Aufenthalt in Japan und ich kann vorab mitteilen, dass ich diese Reise in keinster Weise bereut habe.

Die erste Station unserer Reise war Tokyo. Ausgehend von unserem Hostel im Stadtteil Asakusa konnte man mit der U-Bahn die Stadt besichtigen. Zu den Highlights zählten das Rathaus von Shinjuku, der Tokyo Tower, der Tokyo Skytree und die bunte Welt von Akihabara. Interessant war auch der unweit vom Hostel gelegenen Senso-ji Tempel, denn ich mehrfach besichtigte. Vor allem in der Dunkelheit war die Tempelanlage beeindruckend. In den ersten Tagen unseres Aufenthalts fand in der Tempelanlage ein Festival statt, vermutlich aufgrund des wenige Tage zuvor stattgefundenen Tanabata Fests. Neben verschieden Köstlichkeiten, konnte man auch Lampionblumen kaufen oder Goldfische mit dünnem Papier fangen.

Im Kontrast zu Tokyo stand das ländlich geprägte Kanuma. Der 2-tägige Aufenthalt und die eingeschränkte Mobilität und Ortskenntnis schränkten zwar die Möglichkeiten ein, dennoch gab es auch in Kanuma Sehens- und Erlebenswertes. So konnten wir in der Jugendherberge, in der wir untergebracht waren, das typisch japanische Frühstück genießen. Wir erlebten das traditionelle japanische Puppentheater Bunraku und im Alleingang konnte ich ein Baseballfeld besichtigen.

Unsere letzte Station, Kyoto, erreichten wir mit dem Shinkansen von Tokyo aus. Die Zugfahrt war ein lang gehegter Traum, der wie im Flug verging. Auch die letzten Tage in Kyoto boten uns vieles an. An erster Stelle sei hier das Gion Festival zu nennen. Schon am Vorabend konnte man die Wagen besichtigen und erlebte die nächtliche Festivalkultur Japans. Am darauffolgenden Tag konnten wir beobachten, wie die Festwagen durch Kyoto gezogen wurden und wie groß die Begeisterung der Menschen dabei war. Im Anschluss besichtigten wir drei Tempelanlagen und den Kyotoer Hauptbahnhof. Von dessen Aussichtsplattform hatte man einen guten Blick auf die Kyoto umgebene Bergkette. Zu guter Letzt konnte noch der Fushimi Inari-Taisha Schrein mit seinen unzähligen roten Torii besichtigt werden.

Ich bin glücklich, dass ich an dieser Reise teilnehmen konnte. Das ganze Land war eine riesige Sehenswürdigkeit für mich. Jede Kleinigkeit hat mein Interesse geweckt. Ob U-Bahn oder Bus fahren, ob Pachinkohalle oder Kombini, nie wurde es mir langweilig. Da aber noch soviel mehr zu sehen und zu erleben ist, wird es mit Sicherheit nicht mein letzter Aufenthalt in diesem wunderbaren Land sein.

Reiseeindrücke von Felicitas Schwark, Mitglied der DJG Leipzig, Schülerin

Zuerst einmal will ich sagen, dass ich mich sehr über die Nachricht, dass eine Japanreise stattfindet, gefreut habe. Ich wollte schon immer nach Japan reisen und das war eine perfekte Möglichkeit. Die Reise an sich, war meines Erachtens ein voller Erfolg gewesen und hat mich daran erinnert, wieso ich Japan wirklich liebe. Man hat nicht nur zwei bekannte und große Städte kennengelernt, sondern auch ein Dorf und somit auch die schöne Natur. Es ist natürlich schwer, mit rund 80 Personen durch ein fremdes Land zu reisen, aber es hat trotzdem sehr gut geklappt und ich fand das auch sehr schön, da man auch die Möglichkeit hatte neue Kontakte auch in Leipzig zu knüpfen. Die Tage in Japan waren neben den Konzerten auch sehr interessant gestaltet, unter anderem ja auch die Freizeit in Tokyo und Kyoto, wo man auch sehr viel besichtigen konnte. Schade fand ich, dass man nichts in Kanuma machen konnte, außer natürlich den Proben zuhören und die Natur zu bewundern.

Japan ist wirklich ein sehr interessantes, schönes und spannendes Land und 10 Tage sind eindeutig zu wenig, um es zu entdecken. Deshalb weiß ich schon, dass ich so schnell wie möglich wieder dorthin reisen werde, um einfach noch mehr Eindrucke von sowohl der modernen als auch der traditionellen Welt zu bekommen. Ein gutes Beispiel wäre in Tokyo das bunte und schrille Akihabara-Viertel und die ruhige, regnerische sowie entspannende Natur von Kanuma. Zwei Eindrücke, von einem auf den anderen Tag zwei unterschiedliche Welten, die aber auch gut zueinander passen.

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