Am 16. Juni 1919 starb Itagaki Taisuke (板垣 退助) und hinterließ Ostasien ein bedeutendes Erbe.

Am 21. Mai 1837 geboren, beteiligte er sich 1868 als Kommandeur an einem Aufstand gegen die Shogun-Herrschaft und stieg danach als Berater der neuen Meiji-Regierung auf. Doch bald sollte er ihr Kritiker werden und organisierte öffentliche Kampagnen zur Etablierung einer gewählten Volksvertretung. Itagaki sah in dieser Entwicklung eine Chance zur Umgestaltung des Reiches zu einem parlamentarischen Verfassungsstaat. Itagaki gründete zu diesem Zweck im Jahr 1874 die nationalliberale „Aikoku Kōtō“ (愛国公党 Öffentliche Partei der Patrioten). Damit hatte er die erste politische Partei Ostasiens ins Leben gerufen. Weitere von ihm gegründete Parteien sind die liberalen Verbände Aikokusha (愛国社 Patriotische Gesellschaft 1875), Jiyūtō (自由党 Liberale Partei 1881) und Daidō Kurabu (大同倶楽部 Club der Großen Harmonie 1889). Über 1.100 Parteien wurden seitdem in Japan, China (mit Taiwan, Hongkong und Macau), Vietnam, Korea und in der Mongolei gegründet. Itagaki kann somit als Wegbereiter von Parlamentarismus und Parteienwesen Ostasiens betrachtet werden. Ohnehin gilt er als „Rousseau Japans“. Ohne das Wirken Itagakis hätte Japan gewiss nicht die weltpolitische Bedeutung, die innenpolitische Stabilität und schließlich ein demokratisches Gemeinwesen. Nicht nur Japan sollte seiner zum 100. Todestag gedenken.

Dr. Thomas Weyrauch





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