Im Oktober 2019 fuhren Mitglieder von Kizuna-in-Berlin e.V. erneut an die Sanriku-Küste, um sich über den Stand des Wiederaufbaus zu informieren, entsprechende Projekte vor Ort zu unterstützen und zu erkunden, wo und welcherart Unterstützung aus Deutschland weiterhin hilfreich sein könnte.
Der Wiederaufbau ist in den besuchten Städten weiter deutlich voran geschritten, wenn es auch lokal wieder Rückschläge durch die große Zerstörungskraft der Taifune im Herbst 2019 gegeben hat.
Besonders erfreulich ist, dass nun nach und nach auch die letzten temporären Siedlungen aufgelöst werden können.  Die meisten der ehemaligen Bewohner konnten inzwischen in die vom kommunalen Wohnungsbau bereit gestellten Wohnungen ziehen. Etliche haben auch auf ihren alten Grundstücken oder in höheren Lagen eigene Häuser gebaut.

Trotz der großen Wiederaufbauleistungen zeugen jedoch noch zahlreiche unbebaute Grund-stücke davon, dass viele Menschen die Region dauerhaft verlassen haben und die von der Katastrophe gerissenen Wunden noch lange nicht verheilt sind.
Hauptziel muss daher sein, in diesem, schon vor der Katastrophe strukturschwachen Gebiet, neue und innovative Arbeitsplätze zu schaffen, um jungen Leuten eine attraktive Zukunfts- perspektive zu bieten, zumal inzwischen immer mehr junge Menschen bereit wären, bei ent-sprechenden Angeboten den Ballungsräumen den Rücken zu kehren.

Besonderes Augenmerk richteten wir diesmal auf die neu errichteten Gedenk- und Erinnerungs-stätten in Rikuzentakata und Kamaishi-Unosumai.
Unter dem Motto „Zukünftiges Leben schützen“ sind diese Einrichtungen zugleich als „Orte des Lernens“ konzipiert, an denen sich Gruppen, wie auch Einzelpersonen über wirksamen Katastrophenschutz und richtige Verhaltensweisen im Katastrophenfall informieren können.

In Ōtsuchi-Kirikiri trafen wir uns mit Itaru Sasaki, dem Initiator des „Windtelefons – Kaze no denwa“,  das schon von Tausenden Hinterbliebenen der Tsunami-Katastrophe genutzt wurde, um in der Abgeschiedenheit dieser Telefonzelle mit ihren verstorbenen Angehörigen zu reden und so ihre Trauer zu verarbeiten. Allein in der Gemeinde Ōtsuchi waren über 1.000 Tote zu beklagen; fast jeder zehnte Einwohner ist umgekommen.
Inzwischen wurde über dieses besondere Telefon ein Film gedreht, dessen Handlung sich an den tatsächlichen Ereignissen orientiert. Die Uraufführung  fand japanweit am 24.01.2020 an 99 Orten statt. In der ersten Woche sahen schon 23.000 Zuschauer diesen Film.
Seine internationale Premiere wird der Film im Februar 2020 bei den Internationalen Film-festspielen Berlin (Berlinale) erleben. Hier wird er in der Originalfassung mit englischen Untertiteln „Kaze no Denwa (voices in the wind)“ in der Sektion „Generation“ aufgeführt.

Einen ausführlichen Bericht über unseren Aufenthalt an der Sanriku-Küste können Sie unter dem folgenden Link aufrufen: http://www.kizuna-in-berlin.de/wp-content/upLoads/2020/01/Kizuna9Bericht.pdf

Ihr
Frank Brose
DJG Berlin
und
Kizuna in Berlin





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