Gerade gehen Meldungen durch die – jedenfalls die Berliner – Medien, dass die vergangene Woche vom „Korea-Verein“ im Stadtteil Moabit aufgestellte Statue einer koreanischen Zwangsprostituierten auf Verlangen des Bezirksbürgermeisters wieder entfernt werden soll. Die entsprechenden Meldungen sind unten angehängt.

Ich möchte hier nicht weiter in die Diskussion einsteigen, aber allen Lesern unserer Homepage mein Schreiben an den Bezirksbürgermeister von Berlin-Mitte zur Kenntnis geben, mit dem ich ihn in seiner Haltung zu bestärken suche. Dazu gehört in der Anlage ein Vorwort, das ich im vergangenen Jahr für ein Buch zum Thema geschrieben habe.

Volker Stanzel


Brief von Dr. Volker Stanzel

Sehr geehrter Herr Bürgermeister,

ich habe gerade den Aufruf des Korea-Vereins in der Angelegenheit der Statue gesehen.

Ich erlaube mir, Ihnen dazu ein kurzes Vorwort (s.u.) beizufügen, dass ich für die demnächst bei der Oxford University Press erscheinende Übersetzung eines Buchs von Professor Park verfasst habe. Frau Professor Park hat sich lange und ausführlich mit der koreanischen Zwangsprostituierten-Problematik befasst. Ich war um das Vorwort im Zusammenhang mit meinem Unterricht an der Hertie School über „Politics of Memory“ gebeten worden.

Ergänzend darf ich vielleicht anmerken, was im Vorwort nicht zur Sprache kommt, dass es für die Politisierung in der Vergangenheit erlittenen oder zugefügten Leids immer genügend Gründe gibt – dass diese aber zur Überwindung der Ursachen von menschlich verantwortetem Leid nicht beiträgt. Das ist erst recht dann nicht der Fall, wenn andere Völker von einer Seite gegen die andere sozusagen als Bündnispartner rekrutiert werden.

Noch ein Beispiel: Wir Deutsche müssen damit leben, anderswo auf der Welt mit Holocaust-Gedenkstätten konfrontiert zu werden. In dem Moment, in dem diese als Stätten des Angriffs gegen Deutschland heute errichtet würden, würden wir sie vermutlich eher nicht als friedensfördernd empfinden.

In Baabe auf Rügen steht ein kleines Mahnmal „Das Geheimnis des Friedens heißt Erinnerung“ (siehe Bild links). Es ist den Frauen und Kindern gewidmet, die Opfer kriegerischer Gewalt werden und steht an der Stelle, an der noch am Ende des Zweiten Weltkriegs eine junge Mutter von Soldaten eher durch ein Versehen erschossen wurde. Es erscheint mir, ohne politischen Impetus, die Anklage – und Klage – dorthin zu richten, wo sie hingehört: gegen Menschen, die Kriege führen, egal wo und wann. Damit ist es heute so aktuell wie 1945.

Mit freundlichen Grüßen

Volker Stanzel, Botschafter a.D.






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